Kategorie: Familie

Feminismus und Bedürfnisorientierung – Passt das zusammen?

Hätte mir vor knapp zehn Jahren eine Person gesagt, ich müsste Entwicklungspsychologie und gesellschaftspolitische Strukturen zusammendenken, dann hätte ich womöglich gelacht und wäre gegangen. So ein Quatsch, wäre mir sicherlich durch den Kopf gegangen. Das sind doch zwei völlig verschiedene Aspekte, die wenig miteinander gemein haben. Zwei unterschiedliche Gebiete, die im Grunde keine Schnittmengen teilen. So meine damalige Ansicht. Und wenn dann noch jemand gesagt hätte, dass eine Analyse zwischen Pädagogik und Feminismus hilfreich ist, um zwischenmenschliche Beziehung, um Erziehung oder sogar um Gesellschaft zu verstehen, dann hätte ich diesen Menschen nicht ernst genommen.  Damals befand ich mich im ersten Semester meines Studiums und ich beschäftigte mich vor allem mit der Bindungstheorie und allgemein mit entwicklungspsychologischen Themen. Ich wollte den Menschen verstehen und zwar von Beginn seines Lebens an. 

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„Wir müssen Kinder wohlwollend behandeln“ – Ein Gespräch mit Herbert Renz-Polster

Kinderarzt und Buchautor Herbert Renz-Polster

Wir erleben hier in Deutschland, aber auch in vielen anderen Ländern weltweit, einen Rechtsruck. Rechtspopulistische Parteien etablieren sich und auch der politisch-gesellschaftliche Diskurs scheint weiter nach rechts zu rücken. Wie konnte es so weit kommen? Wie entstehen autoritäre Haltungen und Strukturen? Der Kinderarzt und Wissenschaftler Herbert Renz-Polster hat sich genau mit diesem Thema auseinandergesetzt und ein Buch geschrieben („Erziehung prägt Gesinnung“ – erschienen im Kösel Verlag). Ich habe mich mit ihm getroffen, wir haben über Politik, Gesellschaft, Bildung und Pädagogik gesprochen und darüber wie all das miteinander zusammenhängt.

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Können Mädchen, die mit Puppen spielen auch Feministinnen werden?

Hätte ich als Kind schon gewusst, dass ich mich eines Tages als Feministin bezeichnen würde und dass ich Geschlechterklischees für problematisch erachte, wäre ich möglicherweise im Kindergarten nicht dauernd in der Puppenecke gewesen? Vielleicht hätte ich mich dann weniger als Prinzessin verkleidet und weniger Vater-Mutter-Kind gespielt? Im Spiel waren unsere Rollen nach dem klassischen Rollenmuster verteilt: Es gab Väter (die immer auf Geschäftsreise waren, weil sie keiner spielen wollte) und Mütter mit ihren Kindern. Wir Puppenmütter haben im Spiel unsere Kinder versorgt, gingen einkaufen, haben gekocht und gebügelt – wir taten im Grunde all das, womit eine Frau bzw. eine Mutter gesellschaftlich identifiziert wurde und immer noch wird. Wir spiegelten die Norm der gesellschaftlichen Erwartungen wider. Natürlich haben wir uns damals keine Gedanken über andere Möglichkeiten des Familienzusammenlebens gemacht, für uns gehörte es zur „Normalität“, dass es in einer „richtigen“ Familie einen Vater, eine Mutter und Kind(er) gibt – und zwar genau in dieser Reihenfolge. Und dass sich der Vater eher im Außen bewegt und die Mutter für das Innere, sprich für das Wohlergehen der Familienmitglieder, verantwortlich ist.

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