Kategorie: Gesellschaft

„Wir müssen Kinder wohlwollend behandeln“ – Ein Gespräch mit Herbert Renz-Polster

Kinderarzt und Buchautor Herbert Renz-Polster

Wir erleben hier in Deutschland, aber auch in vielen anderen Ländern weltweit, einen Rechtsruck. Rechtspopulistische Parteien etablieren sich und auch der politisch-gesellschaftliche Diskurs scheint weiter nach rechts zu rücken. Wie konnte es so weit kommen? Wie entstehen autoritäre Haltungen und Strukturen? Der Kinderarzt und Wissenschaftler Herbert Renz-Polster hat sich genau mit diesem Thema auseinandergesetzt und ein Buch geschrieben („Erziehung prägt Gesinnung“ – erschienen im Kösel Verlag). Ich habe mich mit ihm getroffen, wir haben über Politik, Gesellschaft, Bildung und Pädagogik gesprochen und darüber wie all das miteinander zusammenhängt.

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Warum in Zeiten wie diesen ein Plädoyer für Bindung, Beziehung und Liebe so wichtig ist

Als ich selbst noch ein Kind war, habe ich mich gelegentlich gefragt, warum manch ein Erwachsener so hart ist. Hart zu sich selbst und hart zu uns Kindern. Ich spürte, dass diese Härte und Strenge meiner Kinderseele nicht gut tat und ich hütete mich vor diesen Menschen – so gut es mir damals möglich war. Aber was genau meine ich damit, wenn ich von Härte oder Strenge spreche? Ich möchte ein konkretes Beispiel anführen:

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4 hartnäckige Mythen über Erziehung und wie wir diese entlarven

Auf dem Markt gibt es unendlich viele Erziehungstipps von Experten (oder von solchen, die sich dafür halten), es gibt ferner etliche Erziehungsratgeber oder auch unzählige Erziehungskurse. Es werden die besten wissenschaftlich getesteten Methoden erläutert, wie Kinder richtig erzogen werden und weshalb eine gute Erziehung so wichtig ist. Erziehung sei das A und O für eine gesunde Entwicklung. Kinder benötigen feste Strukturen, ansonsten machen sie was sie wollen und tanzen uns Erwachsenen auf der Nase herum. Wenn ich solche Sätze höre, dann schüttelt es mich und ich atme tief ein und aus. Schließlich denke ich an die Pinguine des Filmes Madagaskar und sage mir: Einfach nur lächeln und winken.

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Eine bindungsorientierte Sichtweise auf Hass und Diskriminierung

Es scheint, als würde der Ton rauer werden. Die Ellbogen einer großen Mehrheit sind deutlich spürbar, denn das eigene ICH scheint in Gefahr zu sein. Nicht nur das Ich, sondern auch die eigenen Privilegien und Annehmlichkeiten scheinen gefährdet zu sein. So jedenfalls könnte man denken, wenn man hört, liest oder beobachtet, wie Menschen aufgrund ihrer Herkunft oder anderen (äußeren) Merkmalen diskriminiert und systematisch ausgeschlossen werden. Ich habe mich gefragt, wie die Bindungstheorie dazu beitragen kann, ein respektvolles, demokratisches und friedvolles Miteinander zu leben?

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