Mein Weg zu einem minimalistischen Kleiderschrank

Teil 1:

Vor ein paar Wochen habe ich bei Instagram gesehen, wie ein minimalistischer Kleiderschrank aussehen kann. Eine Bloggerin zeigte in ihrer Story wie sie mit wenigen Kleidungsstücken vielseitig ihre Garderobe variiert. Das hat mich sehr fasziniert und ich fing an über meine eigene Art und Weise, wie ich mit Kleidung und dem damit verbundenen Konsum eigentlich selbst umgehe, nachzudenken.

Über Bedürfnisse, die keine sind

Es gab Phasen in meinem Leben, da hatte ich ständig das Bedürfnis verspürt ein neues Oberteil, eine neue Hose oder vielleicht doch eine neue Jacke zu kaufen. Weil ich glaubte, dass ich dieses oder jenes Teil unbedingt brauchen würde. Weil ich nach jedem Einkauf unglaubliche Glücksgefühle verspürte, die jedoch nach einer Weile nachgelassen haben. Sobald ich jedoch den Laden nach kurzer Zeit erneut betrat und diesen mit mindestens einer vollen Tüte verlassen habe, kamen jene Gefühle und das vermeintliche Glück zurück. Ich war wie in einem Rausch. Das weiß ich heute. Die spannende Frage ist, was ist mit all den vielen Kleidungsstücken passiert, die ich in all den Jahren erworben habe? Ich schätze 70 bis 80 Prozent habe ich kaum bis nie getragen.

Am Ende bleiben immer meine drei, vier Lieblingshosen, einige Pullover und T-Shirts sowie ein paar wenige Blusen und Jacken. Obwohl mein Schrank kaum mehr Platz für neue Stücke hat, wird er abermals gefüllt und vollgestopft. Und doch greife ich immer wieder zu den gleichen Teilen und bin traurig, wenn sie in der Wäsche sind.

Auch wenn ich mich seit einigen Jahren schon mit den Themen Nachhaltigkeit und Konsumverhalten beschäftige, tue ich dies seit einiger Zeit intensiver. Es hat keinen besonderen Schlüsselmoment hierzu gegeben, vielmehr liegt es daran, dass ich einigen Blogger*innen bei Instagram folge, die zu diesem Themen schreiben und mich zum Nachdenken anregen. So wie eben jene Bloggerin mit dem Kleiderschrank. Sie hatte mich inspiriert über mein eigenes Konsumverhalten gründlich nachzudenken. Das tat sie übrigens nicht, indem sie ihre Follower*innen mit dem Zeigefinger ansprach, sondern indem sie ganz authentisch über ihren ganz persönlichen Weg erzählte. Genau das war es, was mich beeindruckte und mich dazu bewegte, selbst in einen Reflexionsprozess zu gehen.

Die ersten Schritte

Als ich in meinen vollen Kleiderschrank blickte und ich mir das Ausmaß meiner vielen Kaufräusche bewusst machte, wurde mir ziemlich übel. Soviel kaum, oder sogar komplett ungetragene, Kleidungsstücke. Ich hatte den Überblick über all meine Sachen tatsächlich verloren. So konnte es nicht mehr weitergehen. Das wurde mir bewusst. Und ich träumte von einem minimalistischen Kleiderschrank.

Es geht mir nicht nur darum minimalistisch zu sein, sondern auch – und vor allem – um das Thema Nachhaltigkeit. Und daher habe ich folgenden Entschluss gefasst: Ich sortiere nicht nur aus, sondern werde bei jeder Neuanschaffung darauf achten, dass die Kleidung fair hergestellt und frei von tierischen Produkten ist. Auch wenn meine Kleidung eher immer teurer war, war sie jedoch keineswegs nachhaltig, geschweige denn fair produziert. Ich wusste das. Aber das Wissen habe ich in den letzten Jahren erfolgreich verdrängt.

Ich begann schließlich all meine Kleidungsstücke aus dem Schrank zu holen, um mir einen Überblick zu verschaffen. Da kamen Teile zum Vorschein, die nicht einmal mehr in meinem Gedächtnis vorhanden waren. Oder Teile, die ich gekauft und niemals getragen habe. Ein großer Berg von Kleidung lag vor mir und ich war ziemlich überwältigt von alldem. Wie sollte ich nun vorgehen? Ich erinnerte mich an die Methode von Marie Kondo, die besagt, man solle jedes Teil in die Hand nehmen, anfassen und sich dabei fragen, ob man es noch liebt oder nicht.

Ich inspizierte also jedes einzelne Kleidungsstück und war überrascht, wie gut ich darin war mich von vielen Teilen zu trennen. Am Ende hatte ich etwa zwei gleich große Berge Kleidungsstapel vor mir liegen. Eine Berg mit jenen Stücken, die ich behalten möchte und der andere mit denen, die ich nicht behalten möchte. Ich war stolz auf mich und begann den einen Stapel wieder in den Schrank einzusortieren. In meiner Fantasie musste ich jetzt unglaublich viel Platz in meinem Schrank haben. Ab jetzt würde ich endlich einen luftigen Kleiderschrank besitzen.

Der Realitätsschock

Nachdem ich schließlich alles wieder eingeräumt hatte, wurde mir erneut übel. Ich hatte mitnichten einen luftigen oder fast leeren Schrank. Er war noch immer voll. Er war noch immer voller Kleidung. Er sah eigentlich aus wie vor der Ausräumaktion, nur nicht ganz so vollgestopft  vielleicht. Wie kann das sein? Ich habe doch etwa die Hälfte aussortiert.

Im ersten Augenblick war ich ziemlich frustriert. Ich hatte es mir so schön ausgemalt. Einmal so richtig ausmisten, danach würde es mir besser gehen. Pustekuchen. Zu all dem Frust, kam dann auch noch die spannende Frage, was ich mit den aussortierten Kleidungsstücken machen soll? Wegschmeißen? Das wäre weder nachhaltig, noch hätte ich das über mein Herz gebracht. Die Teile waren noch sehr gut erhalten und tatsächlich neuwertig (vor allem die, die kaum oder nie getragen wurden). Meine Lösung war, sie zu verschenken bzw. zu spenden. Und ich habe tatsächlich zwei Personen mit meiner Kleiderspende eine große Freude bereitet.

Auch wenn ich nun so vieles aus dem Kleiderschrank verbannt habe, habe ich offensichtlich noch einen längeren Weg vor mir. Es wäre ja auch zu schön gewesen. Und doch möchte ich mich weiter auf das Projekt, nachhaltig und minimalistisch zu leben, einlassen.

Der Weg ist das Ziel

Nicht nur meinen Kleiderschrank möchte ich reduzieren, sondern meine Lebensweise überhaupt nachhaltig gestalten. Dabei geht es nicht darum mein gesamtes Leben von jetzt auf gleich völlig auf den Kopf zu stellen und den Öko-Zeigefinger herauszuholen. Es geht vielmehr um die eingeschlagene Richtung des Weges. Wie groß die Schritte sind, ist letztlich nicht das Entscheidende. Manchmal können wir tatsächlich auch nur kleine Schritte gehen und dann gibt es Phasen, da kommen wir mit größeren voran. Ein achtsamer Umgang mit sich selbst ist dabei stets von großer Bedeutung.

Wie es mit dem Kleiderschrank weitergeht und wie ein nachhaltiger sowie minimalistischer Alltag gestaltet werden kann, beschreibe ich hier auf dem Blog. Wichtig an dieser Stelle ist zu sagen, dass mein Weg einer von vielen ist. Es gibt nicht den einen „richtigen“ Weg, jede*r hat einen eigenen Stil Nachhaltigkeit und Minimalismus umzusetzen. Ich kann an dieser Stelle „nur“ Impulse setzen und vielleicht anregen ähnliches zu tun.

Sandra Siehl, Sozialpädagogin mit Zusatzausbildungen u.a. in systemischer Kinder- und Jugendlichentherapie, beschäftigt sich hier auf dem Blog mit Entwicklung, Feminismus & Nachhaltigkeit.

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